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Pressemitteilung der UVB vom 20.06.2011

Endspurt am Ausbildungsmarkt

Jugendlichen mit Startschwierigkeiten
eine Chance geben

Die IHK Berlin, die Handwerkskammer, die Vereinigung der Unternehmensverbände
sowie die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit haben
an die Hauptstadtunternehmen appelliert, vor dem Hintergrund der demografischen
Entwicklung, ihr Engagement bei der Ausbildung junger Leute noch einmal zu verstärken, in dem sie bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze auch schwächeren Jugendlichen eine Chance geben und so deren Fähigkeiten berücksichtigen und stärken. Die Vertreter der Organisationen wiesen bei einem Besuch des Umzugsunternehmens Zapf-Umzüge GmbH in der Köpenicker Straße in Kreuzberg darauf hin, dass es zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses wichtig und nötig ist, in die Ausbildung junger Menschen zu investieren und das Potential junger Menschen voll auszuschöpfen. Unterdessen haben die Berliner Betriebe den Arbeitsagenturen bereits in diesem Jahr bis Ende Mai mehr als 10.000 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet. Das sind fast 1.300 Plätze mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zugleich konnten die Berufsberater der Arbeitsagenturen mehr Schulabgänger zu einer dualen Berufsausbildung ermuntern. Im Ergebnis lag die Zahl der in Berlin gemeldeten Lehrstellenbewerber im Mai bei 14.900. Das waren 1.600 junge Leute mehr als vor einem Jahr. Daraus geht hervor, dass die aktuellen Chancen am Berliner Ausbildungsmarkt deutlich besser sind als in den vergangenen Jahren – für Betriebe und für Jugendliche. Damit alle Möglichkeiten erfolgreich genutzt werden
können, ist weiterhin Flexibilität auf beiden Seiten gefragt. Denn im Hinblick auf die Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfs der Berliner Wirtschaft sind auch künftig besondere Anstrengungen – insbesondere am Ausbildungsmarkt – angezeigt.

Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der BA:
„In diesem Jahr gibt es für Jugendliche gute Möglichkeiten, einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu finden und für Unternehmen die Chance, Auszubildende einzustellen und sich damit Fachkräfte für die Zukunft zu sichern. Bei der Auswahl der Bewerber werbe ich dafür, nicht nur auf die Schulnoten zu achten, sondern auch die versteckten Talente zu entdecken, zumal sich nicht alle Begabungen der jungen Leute immer schon im Schulzeugnis abbilden lassen. Die Arbeitsagenturen unterstützen Unternehmen mit ausbildungsbegleitenden Hilfen, gegebenenfalls auch vom ersten Tag der Ausbildung an. Die schlechteste Alternative wäre es, Ausbildungsplätze unbesetzt zu lassen. Deshalb sollten sich Unternehmen auch überlegen, ob sie jungen Menschen beispielweise mit Praktika wie der Einstiegsqualifizierung die Chance für eine Berufsausbildung im nächsten Jahr geben können.“

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin:
„Ich appelliere an die Betriebe: lassen Sie keinen Ausbildungsplatz unbesetzt! Geben Sie im Zweifel lieber einem auf den ersten Blick vielleicht nicht perfekt geeigneten Jugendlichen eine Chance und nutzen Sie die Unterstützungsangebote, die dafür zur Verfügung stehen. Schon rein quantitativ ist die Sicherung der beruflich ausgebildeten Fachkräfte eine ungleich größere Herausforderung als die Sicherung des akademischen Nachwuchses. Wir brauchen deshalb alle Jugendlichen – keiner darf verloren gehen. Das gilt auch für diejenigen, die nach der Schule noch nicht unmittelbar ausbildungsreif sind. Für die gibt es die betrieblichen Einstiegsqualifizierungen, die in der Regel zur Übernahme in eine reguläre betriebliche Ausbildung führen. Dieses Instrument wird in Berlin leider noch zuwenig genutzt. Ich appelliere aber auch an die Jugendlichen: nutzen Sie die deutlich verbesserten Chancen auf dem Ausbildungsmarkt! Jede betriebliche Ausbildung ist besser als eine schulische Warteschleife zu ziehen! Nehmen Sie bei der Suche nach Ihrem Wunschausbildungsplatz auch das Land Brandenburg in den Blick – dort gibt es auch noch jede Menge unbesetzte Ausbildungsplätze, die mit S- oder Regionalbahn gut zu erreichen sind.“

Klaus-Dieter Teufel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der
Unternehmensverbände:
„In fast allen Metall- und Elektroberufen gibt es wenige Wochen vor dem Start des Ausbildungsjahres immer noch mehr unbesetzte betriebliche Stellen als unversorgte Bewerber. Alle Bewerber ohne Ausbildungsplatz sollten sich deshalb noch vor den Sommerferien von der Berufsberatung der Arbeitsagenturen auf die zahlreichen unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplätze vermitteln lassen. Die Betriebe haben dieses Jahr 15 Prozent mehr Stellen gemeldet und stellen gerne Bewerber ein, wenn sie motiviert sind und sich etwas zutrauen. Im direkten Berliner Umland im Einzugsbereich der S-Bahn sind ebenfalls viele betriebliche Ausbildungsplätze unbesetzt, die wegen des dortigen stärkeren Fachkräftemangels auch sehr gute Chancen für eine anschließende Übernahme in eine Beschäftigung bieten. Es muss verhindert werden, dass Bewerber in schulischen Warteschleifen und sonstigen Fördermaßnahmen verschwinden und Unternehmen Ausbildungsplätze nicht besetzen können.“

Ulrich Wiegand, Geschäftsführer der Handwerkskammer:
„Die Betriebe des Berliner Handwerks zeigen auch 2011 ihr hohes Ausbildungsengagement. Mehr als 420 offene Ausbildungsplätze in über 40 Berufen sind für den diesjährigen Ausbildungsbeginn im Handwerk noch zu besetzen. Dabei suchen unsere Betriebe motivierte junge Menschen, die als Mindestvoraussetzung mitbringen: Dienstleistungsorientierung, Kundenfreundlichkeit und handwerkliches Geschick. Gerade für Jugendliche, die mit der Berufsausbildung
ihre Motivation und Leistungsbereitschaft zeigen wollen, bietet das Handwerk die Möglichkeit noch in diesem Jahr durchzustarten. Daher meine Botschaft an die Jugendlichen: Bewerben Sie sich im Handwerk!“

Steffen Pröhl, Ausbildungsleiter der Firma Zapf-Umzüge:
„Die berufliche Ausbildung hat in unserem Unternehmen einen hohen Stellenwert. Unser Haus war beispielsweise an der Entwicklung des Berufsbildes „Fachkraft für Möbel-, Küchen und Umzugsservice“ maßgeblich beteiligt. Bei uns kümmern sich zwei Ausbilder um unsere
jungen Kollegen, von denen derzeit 22 die Ausbildung zur Fachkraft und insgesamt sieben eine Ausbildung in kaufmännischen Berufen absolvieren. Nicht jeder Jugendliche bringt Voraussetzungen mit, die ihn zur Aufnahme einer Ausbildung befähigen. Dies bedeutet nicht, dass sie ungeeignet sind, einen Beruf zu erlernen. Wir wollen auch sie in eine Berufsausbildung bringen, auch wenn dies mehr Einsatz von uns erfordert. Wir geben niemanden verloren und bereiten Jugendliche mit geeigneten Maßnahmen auf eine Ausbildung vor. Wir brauchen qualifiziertes Personal in unserem Unternehmen. Ich kann andere Firmen nur ermuntern, sich ebenfalls in der Berufsausbildung zu engagieren und dabei nicht nur den Kostenfaktor zu sehen.“

© Michael Brunner © Michael Brunner © Michael Brunner © Michael Brunner © Michael Brunner

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